Vortrag von Prof. Enrico Giannetto, Moderation von Chiara Stefanoni (auf IT mit Simultanverdolmetschung in DE)
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In seinem Vortrag geht Prof. Enrico Giannetto der These nach, dass mit der „franziskanischen Bewegung“ ein entscheidender historischer und philosophischer Wendepunkt eintritt. Dieser stellt die aristotelische Kosmologie auf den Kopf und legt die Grundlagen für die Entstehung der modernen Wissenschaft und deren Nicht-Anthropozentrismus.
Wie Pierre Duhem bereits aufgezeigt hat, liegen die Wurzeln der modernen Wissenschaft im Mittelalter, insbesondere in der franziskanischen Erneuerung. Ab den kirchlichen Verurteilungen wurden Alternativen zum Aristotelismus systematisch erforscht. Die „Pariser Verurteilung“ durch den Bischof Étienne Tempier vom 7. März 1277 ist dabei die umfangreichste und bekannteste. In „De potentia Dei absoluta“ werden die aristotelische Metaphysik, Physik und Kosmologie theologisch und erkenntnistheoretisch dekonstruiert und dabei die Grenzen der Erfahrung und der Vernunft verdeutlicht.
Aus einer neuen Betrachtung von Materie, Zeit, Wandel und lokaler Bewegung, mathematischer Symbolik, der Kontingenz der Schöpfung und der Menschheit entwickelten sich die Kinematik, die grafisch-geometrische Darstellung der Bewegung, die Relativität der Bewegung, die schöpferische Gleichwertigkeit von Erde und Himmel, die neue universelle Dynamik des Bewegungsimpulses, eine neue zeitlich-evolutionäre Kosmologie sowie ein neues Naturverständnis.